Gesamtschule Osterfeld

Schule kultureller Vielfalt
 

Ihr seid nun meine Zeitzeugen! „Ihr seid nun meine Zeitzeugen!“.

Mit diesem Satz entlässt uns Eva Weyl nach ihrem Vortrag über ihr Leben als Jüdin im Nationalsozialismus.                                          

Die fast schon 80 jährige Frau Weyl schilderte das  Schicksal ihrer Familie und gab einen lebendigen Einblick in die Situation einer jüdischen Familie im nationalsozialistischen Durchgangslager Westerbork in den Niederlanden.  Das sonst schwer für uns Schüler zu erfassende Thema der Judenverfolgung veranschaulichte Frau Weyl in ihrem Vortrag mit persönlichen Bildern dieser Zeit. Anschließend gab sie uns Schülern und Lehrern der Oberstufe der Gesamtschule Osterfeld, die Möglichkeit Fragen zu stellen, welche wir auch nutzen.

Es war sehr interessant, dieses Thema von einer wirklichen Zeitzeugin zu erfahren. Es ist etwas völlig anderes, ein Thema nur theoretisch im Unterricht zu behandeln oder erlebte Erfahrungen zu hören und geistig mitzuerleben. 

Die Geschichte von Eva Weyl:  Auf der Flucht vor den Nazis verlässt ihre Familie schweren Herzens Kleve, wo sie ein großes Kaufhaus gezwungenermaßen aufgeben muss. Das Gebäude gibt es heute noch, heute ist dort Kaufhof.

Die Flucht in die vermeintlich sicheren Niederlande funktioniert allerdings nur kurzfristig. Kurze Zeit später besetzt die deutsche Wehrmacht die Niederlande. Für Familie Weyl steht die Deportation in das Konzentrationslager Westerbork an. Dort wird einmal pro Woche eine Liste mit ca. 1000 Insassen des Lagers zusammengestellt, die anschließend mit einem Zug in die Vernichtungslager nach Auschwitz oder Sobibor transportiert werden. Eva Weyl und ihre Eltern entkommen diesem grausamen Schicksal dreimal mit viel Glück und erleben im April 1945 die Befreiung des Lagers durch kanadische Soldaten.                                                      

Trotz alldem sagt uns Eva Weyl, dass wir nicht verantwortlich sind für das, was damals passiert ist. Wir sind dafür verantwortlich uns zu erinnern, wir sind verantwortlich für die Zukunft, wir sind dafür verantwortlich, dass so etwas nie wieder passiert!

Wir danken Frau Weyl für ihre Botschaft, die bei den Schülerinnen und Schülern große Betroffenheit auslöste und Anlass zum Nachdenken bot.                                                                              

                                                                                                                                                                                           Ina Seelig, im März 2015