Gesamtschule Osterfeld

Schule kultureller Vielfalt
 

Holocaust-Überlebender Sally Perel erzählt an der

GSO von seinem Schicksal  

"Wer einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst zu einem Zeitzeugen."

Dieses  Zitat  des  jüdischen  Friedensnobelpreisträgers  Elie  Wiesel  nahmen  sich  ca.  250 Schülerinnen und Schüler der kompletten Oberstufe sowie der neunten und zehnten Klassen der GSO zu Herzen und hörten Sally Perel zu. 

Der  90-jährige  und  in  Israel  lebende  Autor  des  biografischen  Werkes  "Ich  war  Hitlerjunge Salomon" besuchte die GSO im Rahmen seiner Lesungs-Reihe an Schulen in Deutschland und schaffte  es  innerhalb  von  nur  wenigen gesprochenen Worten, die bis auf den letzten Platz  gefüllte  Aula  in  seinen  Bann  zu  ziehen. Denn  der  Zeitzeugenbericht  Perels  war  keine chronologische  Aufzählung  seiner Lebensstationen,  sondern  eine  aufrüttelnde und  berührende  Auseinandersetzung  mit seiner im Nationalsozialismus zu verbergenden jüdischen  Identität  und  den  auch  ihn manipulierenden  Mechanismen  der  NS-Ideologie. Sally Perel sagte zu Beginn seines Vortrags, er sei eine Art Geschichtslehrer, doch seine Worte waren nicht belehrend, sondern verdeutlichten den 16- bis 19jährigen Zuhörern eindrucksvoll  den  fortwährenden  inneren  Zwiespalt,  in  dem  sich  Perel  während  seines Kampfes  um  das  Überleben  "unter  der  Haut  des  Feindes"  befunden  hatte. 

Auf  die  Frage eines Schülers, ob Sally Perel es später bereute,  seine  jüdische  Identität verschleiert  zu  haben,  antwortete dieser  verneinend,  dass  doch  jeder Mensch das Recht habe, zu leben. Eine Botschaft,  die  Perel  auch  auf  die aktuelle  Flüchtlingsdebatte  übertrug und  an  die  Schüler  appellierte,  für Frieden  und  Menschlichkeit einzustehen.  Seine  Worte  trafen  in dem  jungen  Publikum  auf  offene Ohren.  So  war  es  der  GSO-Schülerschaft  gerade  in  dieser  Woche  gelungen,  die  benötigte Unterschriftenzahl  für  die Beantragung des offiziellen Titels "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zu sammeln.  Sally  Perel  erreichte  mit  seinem  aufrüttelnden  Appell  das,  was  er  sich  selbst  zur  Aufgabe gemacht  hat:  Die  Jugendlichen  hörten  ihm  nicht  einfach  nur  zu,  sondern  ließen  seine emotionalen Worte an sich heran und waren in vielen Fällen im Anschluss an seinen Vortrag sehr berührt. Dies spiegelte sich auch in der langen Schlange aus Schülerinnen und Schülern wider, die nach Ende der Veranstaltung noch mit Sally Perel persönlich sprechen und sein Buch von ihm signieren lassen wollten.

Sally Perel hat die Schülerschaft der GSO mit seinem Zeitzeugnis  zu  Zeitzeugen  gemacht  und  er  hat  sie  persönlich  darum  gebeten,  seine Geschichte weiterzutragen, damit sein und das Schicksal aller verfolgten Menschen in der Welt  niemals  in  Vergessenheit  gerät.  Die Schülerinnen und Schüler der GSO haben nun  eine  Aufgabe,  der  sie  sich  als kommende  "Schule  mit  Courage"  gerne stellen wollen.         

von Joana Pollender