Gesamtschule Osterfeld

Schule kultureller Vielfalt
 

Nachbericht zum Aktionstag

(Klicken um zu vergrößern; WAZ vom 08.07.2017)


Impressionen vom Aktionstag am 06.07.2017


Artikel aus der WAZ zur Aktion "Osterfeld gestalten"

(Klicken um zu vergrößern; WAZ vom 05.07.2017)



Schüler der GSO gestalten Osterfeld

Wer kennt sie nicht – die lautstarken Schülergrüppchen der GSO, die in den großen Pausen in Richtung Osterfelder City ausschwärmen, dabei gerne ihre Tüten fliegen oder knallen lassen, ihre Kippen oder Sonnenblumenkerne in die Vorgärten der Anlieger verstreuen oder auch zu Karneval die eine oder andere Rasierschaum-Spur hinter sich herziehen ... Beliebt machen sie sich damit nicht gerade bei unseren Schul-Nachbarn.

Übrigens, wussten Sie schon? Nicht alle 1500 Schüler der GSO wohnen auch in Osterfeld.

Und dennoch ist nicht wenigen von ihnen Osterfeld gar nicht so egal, wie es manchmal scheint. Zum Beispiel denen hier nicht:



  

Vertreter der  Kurse „Planen und Gestalten“ der 9. Jahrgangsstufe mit Frau Düding und des Projektkurses Geschichte mit Frau Havemann lernten sich am 20. Juni kennen und tauschten sich aus über den geplanten Aktionstag am 6. Juli 2017.


Hier ein Ausschnitt aus ihrem Gespräch:

  

Patrick: Erzählt uns doch mal, was ihr hier eigentlich macht in diesem Kurs – zu unserer Zeit kam so ein WP-Kurs noch gar nicht zustande.

  

Mohammed: Also in der 8. Kl. haben wir erst einmal gelernt, was eigentlich „Planen“ heißt, wir haben unsere eigenen kleinen Projekte geplant und dann kreativ gestaltet.

  

Saskia: Wir haben z.B. den kleinen Garten an der Schule verschönert und um die Schule herum die Grünflächen gepflegt.

  

Esin und Alexa (?): Und wir haben ein großes Mosaikbild gelegt, an dem wir fast ein Jahr gearbeitet haben.

Berkan: Wir haben sogar einen kleinen Solarofen gebaut – aus Karton, Spiegeln und Alufolie: Wenn die Sonne draufscheint, erhitzt die Oberfläche sich so, dass man darauf Essen kochen könnte. Und aus Flaschen haben wir so ein kleines Auto gebaut zum Selbstaufziehen ...

  

Alexa:  Wir haben auch beim Teich-Bau mitgeholfen, bei der anderen Gruppe. Und die Schule skizziert und geguckt, wo und wie wir was verschönern könnten.

Außerdem haben wir Zeichnungen hergestellt, auch von den Parkplätzen hinter der Schule, wie man dort die Parkplatzsituation für die Lehrer verbessern kann; wir haben Skizzen angefertigt und unsere Traumschule gemalt, unser Traumhaus gebaut

  

Esin: Und haben wir nicht auch mal Hocker gebaut – aus einfachem Papier, 20 Blatt, da mussten wir tüfteln, wie das funktioniert, damit das stabil wird ...

  

Luca: Und jetzt wollt ihr euch den Spielplatz an der Westfälischen Straße vornehmen – wie seid ihr darauf gekommen?

  

Berkan: Also, wir wurden aufgefordert, uns in Osterfeld umzugucken, was wir verschönern könnten, und da fiel uns der Spielplatz auf, denn der ist gleich an der Schule dran, und wir fanden es logisch, dass man da was macht ...

  

Hier sind Elyesa, Emre, Mert, Bugra und Kevin aus dem PuG-Kurs von Frau Prevolnik zu sehen, die sich auch um den Spielplatz kümmern wollen.


  

Mohammed:  Wir hatten auch die Idee, da so eine Art Patenschaft zu übernehmen, denn der Platz ist oft ziemlich dreckig, und wir könnten ja mal versuchen, einen schöneren Ort daraus zu machen ...

  

Frau Düding: Wir übernehmen tatsächlich eine Spielplatzpatenschaft und bekommen schon bald einen Schlüssel für den Spielzeugcontainer, damit wir den Kindern Spielzeug anbieten können ... Und es gibt auch diese Blumenbeete, die total überwuchert sind mit Unkraut, da könnte man was machen, also wir haben viele Möglichkeiten.

  

Saskia:  Man kann da auch eine Menge schöner Mitmachaktionen machen mit den Kindern, zum Beispiel diese Wand hinten, die sehr verschmutzt ist, zusammen wieder weiß anmalen.

  

Patrick: Habt ihr keine Angst, dass man euch auslacht oder gar nicht beachtet, was ihr da machen wollt?

  

Mohammed:  Wenn wir Verantwortung übernehmen wollen, müssen wir natürlich auch den anderen beweisen, in der Schule und auch den Leuten in Osterfeld, dass das ein gutes Vorhaben ist, das wir wirklich was machen  und dass wir auch Unterstützung brauchen ...

  

Luca: Und was würdet ihr tun, wenn eure Mitschüler dann bald wieder ihre Kippen hinwerfen und den Platz vermüllen ...?

  

Esin: Also ich würde Aschenbecher aufstellen und Mülltonnen – wenn man das nicht macht, bleibt das immer dreckig dort, und alles wird auf den Boden geworfen ...

  

Berkan: Da sind ja oft auch kleine Kinder, die das in den Mund stecken könnten und sich vergiften ...

Saskia: Ich hatte auch die Idee, pro Woche 2-3 mal dort hinzugehen und den Spielplatz wieder sauberzumachen, denn die Kinder haben da wirklich auch schon mal Spritzen in der Hand gehabt, mit Resten von Drogen und so was alles und das darf doch nicht sein ...

  

Patrick: Und welche nächsten Projekte habt ihr euch noch vorgenommen?

  

Alexa: Wir sind letzte Woche durch Osterfeld gelaufen und haben z.B. den großen alten Sportplatz hinter der Schule besichtigt, der ist total überwuchert, aber das ist ein so großes Gelände, das schaffen wir aber nicht allein – obwohl das vielleicht für unsere 5. Klassen und die Bundesjugendspiele sehr schön wäre – und ob dort nichts anderes vorgesehen ist, wissen wir auch nicht.

  

Mohammed: Es gibt auch die Idee, dass wir rund um den Brunnen an der Kirche eine Bank bauen könnten, und auch den Brunnen erneuern, damit das dort wieder mehr Leute anlockt ...

  

Patrick: Wir hätten auch noch einen Vorschlag für euch. Als wir neulich eine Konfirmandengruppe aus Essen durch den Olga-Park führten – zu unserem Gedenkort für die NS-Zwangsarbeiter – ist uns aufgefallen, dass im Olga-Park verdammt viele Hakenkreuze sind, an Brücken, an Steinen und sogar am Spielplatz. Aber auch Symbole wie die „88“ – wisst ihr, was das bedeutet?

  

?  : Ja, „Heil Hitler“ ...

  

Patrick:  Da stehen aber auch Äußerungen gegen bestimmte ethnische Gruppen oder Länder ... und es würde sich anbieten, dort mit uns zusammen vielleicht eine kleine Reinigungsaktion durchzuführen. Hätte jemand Lust, mit uns zu kommen? Ihr seid ja der Planen-und-Gestalten-Kurs und bestimmt etwas kreativer als wir dabei ...

  

(Es melden sich 10 Schüler!)

  

Esin:  Und wie seid ihr auf die Idee mit eurem Projektkurs gekommen, was macht ihr da im Olga-Park?

  

Patrick:  Wir wissen dank dem Projektkurs vor zwei Jahren, dass dort in der Nähe ein Zwangsarbeiterlager stand – in der NS-Zeit. Das war ein Lager der GHH, und hier wollte man mit dem geringsten Aufwand die Arbeitskraft der Leute möglichst effizient ausbeuten, damit genügend Kohle und Stahl produziert werden konnte für den Krieg. Für mich war neu, dass es hier so viele Lager gab, allein mein Praktikumsbetrieb hatte sechs davon, das fand ich ziemlich krass ...vor allem unter welchen Bedingungen sie dort lebten. Jeder von euch kennt Frühstück, Mittag, Abendessen – aber dort gab man den Zwangsarbeitern so wenig wie möglich, gerade so viel, dass sie noch arbeiten konnten.

  

Luca: Und spannend war auch, dass wir Zeitzeugen aus Osterfeld interviewen konnten, die sich noch gut an das Lager erinnern konnten. Einige haben den Gefangenen Butterbrote durch den Zaun gesteckt und dafür von den Russen Spielzeug geschenkt bekommen ... Im April hatten wir den Enkel eines Kriegsgefangenen hier zu Besuch, der uns das bestätigen konnte ...

  

 

(Ende des Gesprächsausschnittes.)


  

Am Ende stand unsere Verabredung:

Wir sehen uns wieder am 6. Juli gegen 12. 30 Uhr am Café Jedermann.

  

Die PuG-Kurse werden zuvor schon in Osterfeld auf ihr Vorhaben mit dem Spielplatz aufmerksam gemacht und Flyer verteilt haben - und der Projektkurs Geschichte wird danach zur Gedenktafel ziehen, denn dort soll die im Frühjahr aufgestellte Kunst-Installation aus Kriegstrümmern durch eine Informationstafel ergänzt werden. Sie heißt „Nie wieder!“ und erinnert an die Opfer von nationalem Hochmut, Völkerhass und Krieg.

Da ist es nur folgerichtig, dass wir im Anschluss daran zusammen mit dem SV-SOR-Team einige Hakenkreuze beseitigen wollen. Wir finden jedenfalls, dass Erinnern und Gedenken sich sehr gut mit Planen und Gestalten verträgt: 

Wir erfahren und erleben nämlich die Gegenwart viel intensiver, wenn wir das uns Überlieferte nicht nur hinnehmen, sondern es als Herausforderung verstehen, es nach unserem eigenen Maß zu verändern und zu gestalten ...

  

(Lena Düding, Gudrun Havemann; für den Mitschnitt sorgte: Marvin Janßen)